Verkanntes Grundeinkommen

Es geht nicht darum, Arbeitsunwilligen das Faulenzen zu ermöglichen, sondern die Befürchtung zu mildern, in der “Geldgesellschaft”, in der man für alles Geld braucht, “auf der Straße zu landen”.

Auszüge aus dem Artikel:

Eine verkürzte Klarstellung zu der wesentlichen, selten wahrgenommenen Funktion von Geld: Es ist das mittlerweile vorherrschende Mittel zur Organisation von Arbeit; einerseits, weil ohne Geld fast nichts mehr zu haben ist, und andererseits, weil gegen Geld fast alles zu haben ist – es herrschen also zugleich Arbeitszwang und Kauffreiheit in der “Geldgesellschaft”. Deshalb sind viele Menschen bereit, für Geld “alles” zu tun.

Wir leben in der “Geldgesellschaft”. Das heißt: Mehr oder weniger alles, was wir brauchen oder wollen, müssen wir kaufen. Warum? Weil wir fast nichts mehr selber herstellen (können). Damit sind wir ein weiteres Mal abhängig – wir müssen über Geld verfügen können. Diese objektive, zweite Form der Abhängigkeit wurde subjektiv zur ersten, indem in der Regel durch Arbeit Geld erworben werden muss: Erwerbstätigkeit – also für Geld zu arbeiten – wurde für viele Menschen eine sublimierte Zwangstätigkeit.

Nun ermöglicht aber in der erreichten Epoche der gesellschaftlichen Arbeitsorganisation gerade Arbeit durch Arbeitsteilung und Arbeitsorganisation in Verbindung mit hochentwickelten Produktionsmitteln die Milderung dieses bewussten Arbeitszwangs. Dieser zeigt sich im Wunsch der Menschen, dass der Arbeitstag, die Arbeitswoche, die Zeit vor der Pension schnell vorbeigehen mögen. Tatsächlich wird damit gleichzeitig – sicher ungewollt – Lebenszeit weggewünscht. Durch ein Grundeinkommen könnten diese fatalen Wünsche weniger intensiv sein.

Von ganz eigener Art ist der zeitgeschichtliche Arbeitszwang in der “Geldgesellschaft”. Und hier kommt jetzt das entscheidende Argument für ein Grundeinkommen, weil dieser Zwang darin besteht, über Geld zu verfügen. Verursacht durch extreme Arbeitsteilung, muss man fast alles kaufen, was man braucht oder wünscht. Diese extreme Arbeitsteilung hat aber die menschliche Arbeit auch extrem produktiv werden lassen, sodass allgemein ein hohes, für Vermögende ein sehr hohes Anspruchsniveau an Gütern und Diensten entstand.

Ein Grundeinkommen, richtig verstanden als Sicherung der Lebensbasis in der “Geldgesellschaft”, soll nicht das von Werbung geförderte hohe Anspruchsniveau zu verwirklichen ermöglichen – es soll die Befürchtung mildern, “auf der Straße zu landen”. Überdies soll es die Chance eröffnen, tätig zu sein, woran man Interesse hat. Gilt Interesse auch dem Kauf von Gütern und Diensten mit höherem Anspruch, kann/muss für ein Erwerbseinkommen gearbeitet werden. Andernfalls ist/muss man mit dem Basiseinkommen zufrieden sein.

Ganzer Artikel hier (Quelle): Gastkommentar – Verkanntes Grundeinkommen