Brief eines Rentners

Michel hat uns diesen Brief zugesendet, den er an seine Freunde weitergeleitet hat. Gerne veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle, natürlich mit seinem Einverständnis.

Liebe Freunde

Kürzlich fand eine Umfrage statt, bei der die Mehrheit der Sicherheit den Vorzug vor der Freiheit gab. Im ersten Augenblick mag das in einer fortschrittlichen Demokratie verwundern, doch bei einer gründlicheren Überlegung nicht: Es gibt ja nicht nur eine Freiheit zu, sondern auch eine Freiheit von. Oder vielmehr die Befreiung von. Zum Beispiel von Zwang, von Diskriminierung, von Gewalt und vor allem von materieller Not.

Jene unter uns, die bereits in Rente gegangen sind, wissen letztere Befreiung besonders zu schätzen. Wir würden uns zwar nicht beklagen, wenn es etwas mehr sein würde, doch wer ein- oder mehrmals im Leben in materieller Not war, der schätzt diese grosse Sicherheit.

Die Frage, die sich angesichts von Digitalisierung und Automatisierung einer ganzen Gesellschaft stellt und die die Solidarität auf ihre demokratische Fahne gesetzt hat, warum nicht allen die Sicherheit vor materieller Not zuzugestehen? Warum muss man erst in Rente gehen, oder als Arbeitslose/r den Kniefall vor dem Sozialamt machen, um diese Sicherheit zu erlangen, wenn es die finanzielle Möglichkeit gibt, sie allen Bürgern zuzugestehen, ohne die Löhne damit zu belasten?

Ich finde, dass zu Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit auch ein vierter Wert gehört. Der bleibt meistens unausgesprochen; die Verantwortung füreinander. Denn ohne diesen Wert sind die anderen drei bloss hohle Begriffe.

Wenn Ihr der gleichen Meinung seid, dann unterschreibt doch bitte die neue, zweite Initiative für ein bedingungslose Einkommen und schickt diesen Brief mit der gleiche Bitte an möglichst vielen eurer Verwandten und Bekannten. Die Website dazu ist https://www.grundeinkommenschweiz.ch/.

Und wer die Zeit zum Lesen hat empfehle ich das Buch von Richard David Precht, „Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten.“ Es ist ein tiefer und hervorragender Blick in die Zukunft, die wir besonders hier in der Schweiz noch mitgestalten können. Vor allem macht Precht konkrete Vorschläge dazu.

Ich wünsche euch einen erfreulichen Sommer!

Mit herzlichen Grüssen

Michel